Systemische Wirkungsorientierung

Systemische Wirkungsorientierung hat zwei Richtungen: Wirkungsorientierung – Planung, Monitoring, Evaluierung – systemisch gestalten, und sich an Wirkung orientieren, die im Feld entsteht und das System selbst verändert. Das ist der Zugang von Impact Up: der Rahmen, in dem konkrete Ansätze ihren Platz finden. Systems Change ist einer von mehreren.

Wo Wirkungsorientierung heute steht

Die Wirkungslogik und ihr Horizont.

Wirkungsorientierung ist im gemeinnützigen Sektor etablierte Praxis. Die Wirkungslogik nach dem IOOI-Modell – Input, Output, Outcome, Impact – und die siebenstufige Wirkungstreppe, vor allem durch PHINEO geprägt, geben Organisationen ein klares Raster: Sie machen unterscheidbar, was eingesetzt wird, was daraus entsteht und wo sich am Ende etwas in der Gesellschaft verändert. Dieses Handwerk ist verlässlich, und wir bauen darauf auf.

Diese Logik führt sauber bis zum Impact eines einzelnen Vorhabens – und dort endet sie. Offen bleibt die Anschlussfrage: Wie greifen viele einzelne Impacts so ineinander, dass aus ihnen eine gemeinsame Wirkung im ganzen Feld wird? Sie wird bislang selten gestellt; Modelle und Methoden, die sie beantworten, sind wenig verbreitet, während das Feld systemischen Wirkens in der Praxis bereits wächst. Genau an dieser Stelle setzt systemische Wirkungsorientierung an.

Zwei Richtungen

Eine Orientierung, zwei Richtungen.

Systemische Wirkungsorientierung verbindet zwei Richtungen, die gleich viel Gewicht tragen. Beide beginnen beim selben Boden: der Wirkung.

Wirkungsorientierung systemisch gestalten. Die Kernaufgabe – Planung, Monitoring, Evaluierung, Wirkungslogik – gehen wir mit systemischer Prozesshaltung an. Die Wirkungstreppe bleibt dabei das verlässliche Raster; wir erweitern sie zirkulär: mit Feedbackschleifen, mit Beobachtung zweiter Ordnung und mit Ko-Konstruktion – Wirkungswissen entsteht gemeinsam mit den Beteiligten, deren Handeln es beschreibt. Mit Ruth Seliger verstehen wir Veränderung als etwas, das aus dem System heraus gelingt, vor allem über Organisationen: Die Prozesshaltung setzt dort an, wo Organisationen ihre Wirkung selbst beobachten und deuten.

An systemischer Wirkung orientieren. Bezugspunkt unserer Arbeit ist Wirkung, die das System selbst verändert. Systemisch wirkt, wer am System ansetzt – im Sinne von Donella Meadows an den Hebelpunkten, an denen verstärkende und ausgleichende Rückkopplungen zusammenlaufen und kleine Verschiebungen Großes bewegen können. Dazu gehört ein zweiter Blick: Wirkungskohärenz im Feld – viele Wirkungen greifen kohärent, komplementär und anschlussfähig ineinander. Beides hebt den Blick vom einzelnen Vorhaben auf das System und sein Feld: Was wollen wir gemeinsam in der Gesellschaft mit-erzeugen, und woran erkennen wir es?

Beide Richtungen gehören zusammen: Das Handwerk trägt den Blick ins Feld, und das Feld gibt dem Handwerk seinen Bezugspunkt. Die folgenden Abschnitte entfalten beide – zuerst das Feld, dann das Handwerk.

Der Phasenübergang

Wenn viele Wirkungen ineinandergreifen.

Die zweite Richtung braucht ein eigenes Bild: Aus der einzelnen Treppe wird ein Feld. Der Blick verschiebt sich von der Stufe zur Verbindung – von der Höhe eines Vorhabens zu dem, was zwischen vielen entsteht.

Input Output Outcome Impact hier endet die gängige Wirkungslogik Wirkungstreppe · IOOI Phasen​übergang Wirkungsfeld · Feldwirkung

Aus der einzelnen Wirkungstreppe wird ein Feld vieler Impacts: Jeder Gipfel bleibt erkennbar, doch über die Verbindungen entsteht ein zusammenhängendes Muster, das keine Treppe allein erzeugt.

Lineare Wirkungslogik. Die Wirkungstreppe denkt Wirkung als Kette: aus Input folgt Output, daraus Outcome, daraus Impact. Das macht die Leistung eines einzelnen Vorhabens nachvollziehbar und planbar. Ihre Grenze liegt darin, dass sie auf das einzelne Vorhaben bezogen bleibt und Wirkung als beherrschbare Abfolge behandelt – in komplexen Feldern, in denen viele Akteur:innen aufeinander einwirken, greift dieses Bild zu kurz.

Phasenübergang. Wo viele Wirkungen aufeinandertreffen, entsteht etwas, das keine der einzelnen Treppen für sich erzeugt. Wirkung bildet sich zwischen den Akteur:innen, nicht in der einzelnen Stufe. Sie verläuft nichtlinear und zirkulär: Ergebnisse wirken auf ihre eigenen Voraussetzungen zurück, kleine Verschiebungen können sich verstärken. Solche emergenten Effekte beschreibt die Systems-Thinking-Tradition in Monitoring und Evaluation seit Längerem.

Feldwirkung. Aus vielen Impacts wird eine gemeinsame Wirkung, wenn sie kohärent, komplementär und anschlussfähig zueinander werden – wenn das, was die einen bewegen, an dem anschließt, was die anderen tun. Das ist keine weitere Stufe über dem Impact. Es ist eine andere Frage: wie aus vielen einzelnen Gipfeln ein tragfähiges Feld entsteht. Kokreative Feldarbeit, wie Jascha Rohr sie beschreibt, kartiert dieses Feld immer wieder neu und arbeitet mit dem, was sich dort verschiebt.

Wirkungsreflexion

Wie wir mit euch auf Wirkung schauen.

Hier wird die erste Richtung konkret. Wir schauen gemeinsam mit euch auf eure Wirkung: formulieren sie, planen auf ihrer Basis, entwickeln Teams und Strukturen an ihr entlang – und kommen immer wieder darüber ins Gespräch, was tatsächlich passiert ist. Wirkung in komplexen Feldern verläuft zirkulär und braucht Zeit; manches an ihr bleibt lange unsichtbar. Das gehört dazu – wir halten es gemeinsam aus und spüren ihr nach. Wie ihr eure Wirkung nach außen darstellt, bleibt dabei in eurer Hand; wir stärken den Blick nach innen und ins Feld.

In der Planung arbeiten wir mit einer Theory of Change als anpassbarem Rahmen: Sie hält Annahmen und Wirkungspfade fest und wandert mit, wenn sich das Feld verändert. In der Reflexion beginnen wir bei dem, was sich beobachten lässt – bei Veränderungen im Verhalten, in Beziehungen und in Praktiken – und arbeiten von dort zurück zum eigenen Beitrag. Verfahren wie Outcome Harvesting oder Developmental Evaluation haben dieses Vorgehen geprägt; für uns ist es schlicht gemeinsame Wirkungsreflexion.

Für dieses Schauen gibt uns die systemische Tradition drei Linsen an die Hand – Bob Williams und Richard Hummelbrunner fassen sie so:

Inter​relationships Wechselwirkungen Perspectives Sichtweisen Boundaries Grenzziehungen
Drei Linsen systemischen Schauens (nach Williams & Hummelbrunner).

Boundaries fragen, welche Grenzen ein Vorhaben zieht: Wer und was gehört zum betrachteten System, was bleibt außen vor. Interrelationships richten den Blick auf die Wechselwirkungen, die ein System tragen, und auf die Rückkopplungen zwischen ihnen. Perspectives halten offen, aus wessen Sicht Wirkung gedeutet wird und welche Stimmen Gehör finden. Zusammen machen sie die Komplexität eines Feldes besprechbar, ohne sie auf eine einzelne Zahl zu verkürzen.

Der Auftrag

Ein weitgehend neuer Begriff — und unser Zugang.

Der Begriff „systemische Wirkungsorientierung“ ist bislang unbesetzt. Impact Up prägt ihn und macht ihn methodisch verfügbar – als Institut, in dem Theorie und Praxis gleichrangig zusammenkommen, und als organisierende Akteurin in dem Feld, das dabei entsteht. Unser Zugang bleibt die Wirkung: nah bei den Menschen und Projekten, die sie tragen, und mit dem Anspruch, ihre Tragweite über das einzelne Vorhaben hinaus zu denken.

Systemische Wirkungsorientierung ist der Oberbegriff, unter dem konkrete Ansätze ihren Platz finden. Systems Change ist einer davon; wir entfalten ihn mit seiner eigenen Tiefenlogik auf der verlinkten Seite. Wie sich die Arbeit auf vier Perspektiven verteilt und in drei Angeboten praktisch wird, führt die Hauptseite aus.

Quellen

Worauf wir uns stützen.

  • PHINEO — Kursbuch Wirkung / Wirkungstreppe (IOOI-Logik). phineo.org Etablierte Wirkungslogik: Input–Output–Outcome–Impact, siebenstufige Wirkungstreppe.
  • Meadows, D. — Thinking in Systems: A Primer. Chelsea Green, 2008. donellameadows.org Grundlagen des Systemdenkens: Bestände, Flüsse, verstärkende und ausgleichende Rückkopplungen – und die Leverage Points: Stellen im System, an denen kleine Verschiebungen große Veränderung tragen.
  • Williams, B. & Hummelbrunner, R. — Systems Concepts in Action: A Practitioner's Toolkit. Stanford University Press, 2010. bobwilliams.co.nz Drei Kern-Systemkonzepte: Interrelationships, Perspectives, Boundaries – Grundlage der drei Linsen.
  • Patton, M. Q. — Developmental Evaluation. Guilford Press, 2010. betterevaluation.org Mitlaufende, anpassende Wirkungsreflexion in dynamischen Systemen; Nichtlinearität und Emergenz als Normalfall.
  • Rayner, C. & Bonnici, F. — The Systems Work of Social Change. Oxford University Press, 2021. global.oup.com Context, Connection, Power als relationale Arbeitsebene; Brücke zur Systems-Change-Seite.
  • Seliger, R. — Systemische Beratung der Gesellschaft. Carl-Auer, 2022. carl-auer.de Systemische Logik für Gesellschaftsveränderung: Konstruktivismus, krisenhafte Zustände zwischen Ökologie, Ökonomie und Demokratie; Veränderung gelingt aus dem System heraus – vor allem über Organisationen.
  • Rohr, J. — Die große Kokreation. Murmann, 2023. murmann-verlag.de Feld-Prozess-Theorie mit den Phasen Resonanz – Transformation – Kokreation (Emergenz) – Kultivierung; kokreative Kartierung des Feldes als Veränderungsarbeit.