Systemische Wirkungsorientierung

Systemische Wirkungsorientierung enthält zwei Ideen: systemische Wirkung und systemische Orientierung. Woran wollen wir uns orientieren? An der systemischen Wirkung. Wie wollen wir mit Wirkung arbeiten? Wir orientieren sie systemisch. Wir wollen beides. Wir streben systemische Wirkung an. Wir wollen Gesellschaft als Ganzes nachhaltig verändern und orientieren uns an verschiedenen Methoden, die dies mit guten Ansätzen erreichen wollen. Dies ist sehr nah an dem Gedanken, der auch unseren Namen Impact Up geprägt hat. Planen, Monitoren oder Evaluieren dient im Projekt der Orientierung an der Wirkung. Wir sind uns sicher, dass diese Orientierung mit einer systemischen Haltung deutlich besser gelingen kann. Je größer die Kooperation ist, die eine Orientierung braucht und Gemeinsames hervorbringen will, desto wahrscheinlicher wird systemischer Impact und desto wichtiger werden die gemeinsamen systemischen Elemente der Orientierung.

Das Was

Systemische Wirkung: Transformation der Gesellschaft.

Das Was unserer Arbeit ist systemische Wirkung. Impact, der das System selbst verändert. Kooperation der Gesellschaft als Basis ihrer Transformation. Wir suchen diesen Weg über mehr Netzwerk, mehr Austausch, mehr Absprache, damit aus vielen einzelnen Impacts eine kooperative Wirkung im Feld werden kann – kohärent, komplementär, anschlussfähig zueinander. Werkzeuge auf diesem Weg sehen wir in Ansätzen wie Systems Change oder Kokreation.

Systemisch wirkt, wer am System ansetzt – im Sinne von Donella Meadows an den Hebelpunkten, an denen verstärkende und ausgleichende Rückkopplungen zusammenlaufen und kleine Verschiebungen Großes bewegen können. Ein Ansatz, der mit guten Systems Maps gute Ideen mit starken Wirkungen hervorbringen kann.

Viele Wirkungen können auch etwas verderben, so wie es sprichwörtlich viele Köche tun. Erst wenn sie kohärent und komplementär, also irgendwie anschlussfähig zueinander stehen, können sie gemeinsam Gesellschaft bewegen. Das verläuft nichtlinear und zirkulär: Ergebnisse wirken auf ihre eigenen Voraussetzungen zurück, kleine Verschiebungen können sich verstärken – Effekte, die die Systems-Thinking-Tradition in Monitoring und Evaluation seit Längerem beschreibt. Genau dazu braucht es Methoden zur Reflexion, Developmental Evaluation oder mindestens Action Research. Zur Gestaltung von systemischen Wirkungen braucht es einerseits Komplexität, aber andererseits praktische Zugänge. Eine Grundlage sind regelmäßige reflektive Schleifen.

Das Wie

Systemische Orientierung: Die Arbeit mit Haltung und Handwerk.

Systemische Orientierung beginnt bei einer Haltung: Neugier statt Bewertung, Interesse statt Diagnose, Wertschätzung gegenüber allen Beteiligten und auch Unbeteiligten. Wir gehen immer davon aus, dass Lösungen für ein Anliegen im System selbst bereits angelegt sind – als Ressourcen, Erfahrungen und Ideen, die im Alltag oft unsichtbar bleiben; Beratung aktiviert dieses Potenzial. Wer von außen begleitet, hält dabei Allparteilichkeit im Prozess: gleichen Abstand zu allen Perspektiven und Entscheidungen. Diese Außenperspektive – die Beobachtung zweiter Ordnung – macht sichtbar, was innerhalb des Systems oft im blinden Fleck liegt: wiederkehrende Muster im Zusammenspiel, nicht nur einzelne Inhalte. Zuhören und Resonanz gehen dem voraus – erst wenn ein System sich gehört fühlt, wird es zugänglich für einen neuen Blick auf sich selbst.

Wirkungsorientierung ist im gemeinnützigen Sektor etablierte Praxis und spricht viele Sprachen: Theory of Change, Outcome Mapping, die Wirkungslogik nach dem IOOI-Modell, in der Friedensarbeit Reflecting on Peace Practice. Wir nutzen sie als Handwerkszeug – welche Logik passt, entscheidet das Vorhaben, oft auch vorgegeben. Unser Ansatz ist es, auf eurem aufzubauen. Systemische Beratung lebt nur durch das System selbst, Kokreation lebt von den Beteiligten, Systems Change von den Primary Actors. Die wichtigen Inhalte kommen aus der Zusammenarbeit; die Theorie baut darauf auf.

Planen, Monitoren und Evaluieren sind Überbegriffe für unzählige, sehr verschiedene Aktivitäten. Mit ihnen gestalten wir Inhalte – und die Art und Weise macht den Unterschied: zirkulär statt nur linear, mit Feedbackschleifen, mit Beobachtung zweiter Ordnung, mit Wirkungswissen, das gemeinsam mit den Beteiligten entsteht. Unsere Prozesshaltung setzt dort an, wo eure Organisation ihre Wirkung selbst beobachtet und deutet. Die vorhandene Wirkungslogik, die ein Vorhaben mitbringt, bleibt dabei nutzbar – wir erweitern sie um genau diese Prozesshaltung.

Wirkungsreflexion

Ein Beispiel, wie wir mit euch Wirkung reflektieren.

Hier seht ihr eine einfache Hilfestellung von Williams und Hummelbrunner, die wir nutzen könnten, um auf eure Wirkungen zu schauen.

Inter​relationships Wechselwirkungen Perspectives Sichtweisen Boundaries Grenzziehungen
Drei Linsen systemischen Schauens (nach Williams & Hummelbrunner).

So fragen wir nach Boundaries der Wirkung: Wo hört eure Wirkung auf? Was wollt ihr vielleicht nicht mehr? Was schafft ihr nicht mehr? Wäre es gut, wenn es andere gäbe? Und schon wären wir bei den Interrelationships: Wen gibt es denn da noch, der so was macht? Wie versteht ihr euch? Wie oft seht ihr euch? Und passen eure Wirkungen so richtig gut? Und sehen die das genauso? Und schon sind wir bei den Perspectives: Wie sehen die denn eure Wirkung? Und ein dritter, der euch beide kennt – wie sieht der das? Wen gibt es denn hier bei euch, der die Perspektive der Anderen mag? Und warum? So ist mit einer einfachen Hilfe schnell viel abgedeckt.

Der Überbegriff

Viele Methoden, eine Orientierung.

Systemische Wirkungsorientierung ist für uns ein großer Überbegriff, unter dem wir viele dieser Methoden fassen wollen. Soweit es uns bekannt ist, prägen wir diesen Begriff. Wir meinen, er ist gut und wichtig, bleiben aber natürlich offen für andere Dinge. Gerade für die großen Anliegen der Gesellschaft wollen wir natürlich auch auf der Basis anderer Ideen arbeiten und so haben wir dem Systems Change eine eigene Seite gegeben.

Quellen

Worauf wir uns stützen.

  • PHINEO: Kursbuch Wirkung (IOOI-Logik). phineo.org Etablierte Wirkungslogik: Input–Output–Outcome–Impact.
  • DGSF: Systemische Organisationsberatung und Organisationsentwicklung. dgsf.org Haltung von Respekt, Allparteilichkeit und Wertschätzung; Ressourcen und Veränderungspotenzial werden im System selbst aktiviert, nicht von außen geliefert.
  • von Schlippe, A. & Schweitzer, J.: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Vandenhoeck & Ruprecht. vr-elibrary.de Grundlagenwerk zu Allparteilichkeit, Ressourcenorientierung und Beobachtung zweiter Ordnung in der systemischen Beratung.
  • Meadows, D.: Thinking in Systems: A Primer. Chelsea Green, 2008. donellameadows.org Grundlagen des Systemdenkens: Bestände, Flüsse, verstärkende und ausgleichende Rückkopplungen – und die Leverage Points: Stellen im System, an denen kleine Verschiebungen große Veränderung tragen.
  • Williams, B. & Hummelbrunner, R.: Systems Concepts in Action: A Practitioner's Toolkit. Stanford University Press, 2010. bobwilliams.co.nz Drei Kern-Systemkonzepte: Interrelationships, Perspectives, Boundaries – Grundlage der drei Linsen.
  • Patton, M. Q.: Developmental Evaluation. Guilford Press, 2010. betterevaluation.org Mitlaufende, anpassende Wirkungsreflexion in dynamischen Systemen; Nichtlinearität und Emergenz als Normalfall.
  • Rayner, C. & Bonnici, F.: The Systems Work of Social Change. Oxford University Press, 2021. global.oup.com Context, Connection, Power als relationale Arbeitsebene; Brücke zur Systems-Change-Seite.
  • Seliger, R.: Systemische Beratung der Gesellschaft. Carl-Auer, 2022. carl-auer.de Systemische Logik für Gesellschaftsveränderung: Konstruktivismus, krisenhafte Zustände zwischen Ökologie, Ökonomie und Demokratie; Veränderung gelingt aus dem System heraus – vor allem über Organisationen.
  • Rohr, J.: Die große Kokreation. Murmann, 2023. murmann-verlag.de Feld-Prozess-Theorie mit den Phasen Resonanz – Transformation – Kokreation (Emergenz) – Kultivierung; kokreative Kartierung des Feldes als Veränderungsarbeit.