Impact Up Entstehung – philosophischer Background
Eine Wirkung steht nicht allein in der Welt. Sie interagiert mit der Welt – genau wie andere Wirkungen auch. Wirkung ist unser Zugang zur Arbeit, ganz nah bei den Menschen und den Projekten; das Zusammenspiel der Wirkungen wollen wir verbessern. Wir wollen mehr vernetzen und zusammenbringen, mehr auf mögliche Kooperationen für die Transformationen in Systemen blicken. Und das wollen wir systemisch tun – im Vertrauen darauf, dass die größten Ressourcen auch dafür bei euch liegen.
Warum Impact Up
Vom Impact aus weiterdenken.
Impact ist in der gängigen Wirkungslogik die oberste Stufe – der Punkt, an dem die eigene Arbeit nachweisbar gesellschaftliche Wirkung hat. Die Wirkungstreppe, vor allem durch PHINEO geprägt, endet hier. Unser Name ist: Impact Up. Wir wollen vom Impact noch weiter denken. Wenn gesellschaftliche Wirkung erreicht wird, was passiert dort?
Dort öffnet sich ein Netz: Viele Impacts treffen aufeinander, und zwischen ihnen entsteht das, womit wir arbeiten – Kohärenz der Wirkungen, Komplementarität der Wirkungen, systemische Analyse auf der Suche nach dem nächsten sinnvollen Impact. Impacts können auch gegeneinander laufen; gerade dann lohnt es, Anliegen gemeinsam zu klären, Kooperation zu suchen und die Lösungen in Gemeinschaft anzustreben.
Die Anfangsidee
Wenn viele Wirkungen ineinandergreifen.
Genau das braucht ein eigenes Bild: Aus der einzelnen Treppe wird ein Feld. Der Blick verschiebt sich von der Stufe zur Verbindung – von der Höhe eines Vorhabens zu dem, was zwischen vielen entsteht.
Aus der einzelnen Wirkungstreppe wird ein Feld vieler Impacts: Jeder Gipfel bleibt erkennbar, doch über die Verbindungen entsteht ein zusammenhängendes Muster, das keine Treppe allein erzeugt.
Lineare Wirkungslogik. Die Wirkungstreppe denkt Wirkung als Kette: aus Input folgt Output, daraus Outcome, daraus Impact. Das macht die Leistung eines einzelnen Vorhabens nachvollziehbar und planbar. Ihre Grenze liegt darin, dass sie auf das einzelne Vorhaben bezogen bleibt und Wirkung als beherrschbare Abfolge behandelt – in komplexen Feldern, in denen viele Akteur:innen aufeinander einwirken, greift dieses Bild zu kurz.
Feldwirkung. Aus vielen Impacts wird eine gemeinsame Wirkung, wenn sie kohärent, komplementär und anschlussfähig zueinander werden – wenn das, was die einen bewegen, an dem anschließt, was die anderen tun. Das ist keine weitere Stufe über dem Impact. Es ist eine andere Frage: wie aus vielen einzelnen Gipfeln ein tragfähiges Feld entsteht.
Warum Institut
Theorie und Praxis.
Unsere Arbeit hat einen erkenntnistheoretischen Kern: Wie wir Welt beschreiben, entscheidet mit, was wir sehen und was uns als Handlung offensteht. Diese konstruktivistische Grundannahme teilen wir mit der systemischen Beratung. Ruth Seliger (Systemische Beratung der Gesellschaft, 2022) führt konsequent aus, wie die systemische Beratung der Gesellschaft aussehen kann: wie die Polykrise in drei Bereichen – Ökologie, Ökonomie und Demokratie – existiert und wie wir an ihr arbeiten können. Von innen lässt sich Gesellschaft dann verändern, indem gesellschaftliches Handeln in Organisationen organisiert wird und systemisch auf Lösungen hinwirkt.
Deshalb heißen unsere Theorieseiten Konstrukte: bewusst gebaute Denk-Werkzeuge, die gemeinsames Arbeiten an Wirkung möglich machen und die wir mit euch prüfen und weiterentwickeln. Ein Konstrukt ist für uns gut, wenn es Handeln eröffnet. Methodisch arbeiten wir mit dem, was die jeweilige Frage trägt: systemische Organisationsentwicklung in der Tradition Mailand/Heidelberg mit zirkulärem Fragen, Hypothesenbildung, Reflecting Teams und Aufstellungsarbeit; Causal Loop Diagrams und Wirkungsmodelle aus der Systems-Dynamics-Linie; Gewaltfreie Kommunikation, Kokreation oder Action-Research; aber auch ein breites Methodenrepertoire der Friedensarbeit wie bspw. Dialog, Konflikttransformation und Vergangenheitsarbeit. Welches Werkzeug, auf Basis welcher Theorie in der Praxis unterstützen kann, entscheidet sich am Gegenstand.
Theorie und Praxis brauchen einander – es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie. Wir bringen Theorie in Praxis und Praxis in Theorie, undogmatisch und in viele Richtungen offen. Institut nennen wir uns, weil hier Theorie und Praxis gleichrangig zusammenkommen. Entscheidend ist, was wir gemeinsam wollen – die Methoden folgen. In diesem Sinn verstehen wir uns über die Beratung hinaus auch als organisierender Akteur im System, der Netzwerke baut und sich beteiligt.
Wo wir starten
Zuhören, Vertrauen, Vernetzung.
Die Dinge im Netz kommen nur zusammen, wenn man sich kennt, sich austauscht und gemeinsame Denkräume findet. Deshalb starten wir beim Basisaufbau: zuhören, Resonanz entstehen lassen, Vertrauen zwischen den Menschen wachsen lassen – und Vernetzung aufbauen, zu den Themen und zwischen den Themen.
Es gibt inzwischen mehrere Theorien, dass dieses Zuhören, diese Resonanz das Wichtigste für unsere Gesellschaften ist. Diese relationale Ebene ist auch für uns der zentrale Ansatz. Wir beraten in Beziehung.
Diese Haltung bringen wir aus verschiedenen Quellen: aus dem Zivilen Friedensdienst in anderen gesellschaftlichen Kontexten, wo Beziehungsaufbau Arbeitsgrundlage ist – Zuhören ist da immer Startpunkt, Vertrauen und Vernetzung bauen darauf auf. In der systemischen Organisationsentwicklung ist es ähnlich: Sie versteht Systeme über ihre Muster und Wechselwirkungen. Auch hier braucht es Vertrauen und Zuhören, um an den Mustern und Wechselwirkungen arbeiten zu können. Wir arbeiten immer konfliktsensibel und partizipativ.
Wir hören euch zu, bevor wir gemeinsam mit euch auf eure Wirkung schauen. Erst wenn Vertrauen uns trägt, begleiten wir euch mit eurer Wirkung im Raum – wir orientieren uns hier und suchen Raum für eure Wirkung, idealerweise vernetzt im gesamten System.
Wohin das führt
Von der Idee weiter in Richtung Praxis.
Wir wollen Impact mit Impact vernetzen, durch Kooperation die Gesellschaft transformieren, durch Theorie und Praxis als Institut einen Beitrag leisten und durch Zuhören, Vertrauen und Vernetzung diesen ambitionierten Weg starten. Wir glauben nicht daran, dass wir das schaffen, aber daran, dass es mit einem wachsenden Wir trotzdem gelingen kann. Wir wollen versuchen, klarer zu werden, wie wir beitragen können – mit Systemischer Wirkungsorientierung.
→ Systemische Wirkungsorientierung → Systems Change
Quellen
- PHINEO: Kursbuch Wirkung (Wirkungstreppe). phineo.org
- Seliger, R.: Systemische Beratung der Gesellschaft. Carl-Auer, 2022.
- Rohr, J.: Die große Kokreation. Murmann, 2023.
- Rayner, C. & Bonnici, F.: The Systems Work of Social Change. Oxford University Press, 2021.
- Freinacht, H.: The Listening Society. Metamoderna, 2017.
- Rosa, H.: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp, 2016.
Weitere Grundlagen – etwa Developmental Evaluation – sind auf der Seite zur systemischen Wirkungsorientierung dokumentiert.